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Schilddrüsenüberfunktion
Symptome, Diagnose und Behandlung

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) liegt vor, wenn die Schilddrüse zu viel Thyroxin (T4) produziert. Eine erhöhte Menge an Thyroxin kann die Herzfrequenz erhöhen und den Metabolismus in Schwung bringen. Das führt wiederum zur Gewichtsabnahme und zu erhöhter oder unregelmäßiger Herzfrequenz. Etwa 1% der Bevölkerung leidet an dieser Krankheit.

Symptome

Die Schilddrüsenüberfunktion kann Symptome entwickeln, die denen anderer Erkrankungen ähnlich sind. Aus unerklärlichen Gründen hat man plötzlich viel Energie und verliert Gewicht, was von PatientInnen anfangs oft als positiv wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist ihre Diagnose für Ärzte nicht trivial. Sie kann viele unterschiedliche Symptome und Anzeichen haben, wie:

  • Gewichtsverlust in Kombination mit gesteigertem Appetit

  • Hohe oder unregelmäßige Herzfrequenz

  • Erhöhter Blutdruck

  • Nervosität, Angstzustände und höhere Reizbarkeit

  • Schnellere Stimmungsschwankungen

  • Ein feines Zittern oder Zucken in den Händen und Fingern

  • Schweißausbruch und Wärmeempfindlichkeit

  • Veränderungen in der Menstruation

  • Vergrößerung der Schilddrüse (Struma / Kropf), die sich als eine Schwellung im unteren Halsbereich zeigt

  • Müdigkeit und Muskelschwäche

  • Schlafstörungen bedingt durch höhere Nervosität und höherer Herzfrequenz

  • Haare werden ausgedünnt und brüchig

  • Endokrine Orbitopathie (hervortretende Augen)

Bei älteren Betroffenen sind die Symptome oft nicht so spürbar und reduzieren sich oft auf Anzeichen wie eine höhere Herzfrequenz, Hitzeempfindlichkeit oder Müdigkeit bei normalen täglichen Aktivitäten.

Achtung: Manche Medikamente, wie z.B. Betablocker gegen Bluthochdruck, können die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion verdecken. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die Sie regelmäßig einnehmen!

Ursachen

Es sind unterschiedliche Erkrankungen, die eine erhöhe Aktivität der Schilddrüse (Schilddrüsenüberfunktion) verursachen, darunter sind folgende Erkrankungen:

  • Morbus Basedow – hier verursacht eine Fehlfunktion des Immunsystems eine Stimulation der Schilddrüse, die ihrerseits mehr Hormone produziert.
     

  • Schilddrüsenautonomie ist eine weitere Erkrankung, die Schilddrüsenüberfunktion verursachen kann. Dabei entstehen Zellen in der Schilddrüse, die nicht mehr auf das Gehirnhormon TSH reagieren, welches die Aktivität der Schilddrüse reguliert. So kann die Schilddrüse mehr Hormone produzieren als es für den Körper notwendig ist. Solche Zellen sind oft Teil von gutartigen Knoten in der Schilddrüse.
     

  • Eine Entzündung der Schilddrüse kann ebenfalls dazu führen, dass zu viel der gespeicherten Hormone aus der Schilddrüse ins Blut geraten und zumindest kurzfristig die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen.

Risikofaktoren

  • Frauen haben ein höheres Risiko an Schilddrüsenüberfunktion zu erkranken als Männer

  • Genetisch bedingt (besonders für Morbus Basedow)

  • Wenn Sie an gewissen Krankheiten leiden wie z.B. Diabetes Typ 1, perniziöser Anämie (Mangel an Vitamin-B-12) oder primärer Nebenniereninsuffizienz

  • Konsum von hochdosiert jodhaltigen Medikamenten

  • Menschen über 60

  • Frauen, die in den letzten 6 Monaten schwanger waren

  • Menschen, die an Struma leiden

Diagnose

Zunächst spricht Ihr Arzt mit Ihnen über Ihre Krankheitsgeschichte, Krankheiten in Ihrer Familie und Ihre Lebensweise, um sich ein Bild von Ihrer Situation zu machen. Danach geht es mit medizinischen Untersuchungen weiter. Diese sind wie folgt:

  • Ihr Arzt kann zuerst anhand der Tastuntersuchung erkennen, ob die Schilddrüse vergrößert ist oder Knoten aufweist.
     

  • Der nächste Schritt ist die Blutuntersuchung, die aufschlussreiche Informationen liefert. Hier werden vor allem die Werte für die Hormone TSH (thyreoideastimulierendes Hormon), T3 (Trijodthyronin), T4 (Thyroxin) und des Enzyms TPO (thyreoidale Peroxidase) gemessen. Die Blutuntersuchung kann zeigen, ob die Ursache der Überfunktion in der Schilddrüse selbst liegt, oder ob sie durch eine erhöhte TSH-Hormonproduktion im Gehirn verursacht wird. Diese Untersuchung kann auch auf das Vorliegen von Morbus Basedow hinweisen.
     

  • Die Ultraschalluntersuchung ist eine weitere Untersuchungsart, bei der Ihr Arzt sehen kann, ob sich Knoten im Schilddrüsengewebe gebildet haben, wie groß die schilddrüse ist, und ob die Durchblutung der Schilddrüse erhöht ist.
     

  • Szintigraphie ist eine Untersuchung, bei der nicht nur Bilder von der Schilddrüse gemacht werden können, sondern die Aktivitäten innerhalb des Organs beobachtet und untersucht werden können. Z.B. kann Ihr Arzt sehen, ob ein Knoten vermehrt Hormone produziert und ausschüttet. Auch Entzündungen werden durch die Szintigraphie gut sichtbar.

Therapie

Ihr Arzt bestimmt die Therapie je nach der Schwere Ihrer Symptome, der Ursache der Überfunktion der Schilddrüse, Ihrem Alter, ob Sie schwanger sind, und zieht dabei auch weitere gesundheitliche Faktoren in Erwägung. Es kann manchmal sogar sinnvoll sein, nichts zu unternehmen, da die Schilddrüsenüberfunktion auch von selbst wieder zurückgehen kann.


Generell sind folgende Behandlungsarten möglich:

  • Medikamentöse Behandlung: In den meisten Fällen wird die erhöhte Produktion von Schilddrüsenhormonen mit Medikamenten reguliert, die auch als Thyreostatika bezeichnet werden.
     

  • Operation: Kann die überschüssige Hormonproduktion mit Medikamenten nicht reguliert werden, ist eine Operation notwendig, bei der die Drüse operativ entfernt wird. PatientInnen müssen lebenslang Hormontabletten einnehmen.
     

  • Radiojodtherapie: Ist eine Operation aus bestimmten Gründen nicht möglich oder die Schilddrüse nicht zu sehr vergrößert, ist die Radiojodtherapie die beste Behandlungswahl. Hierbei wird der / dem PatientIn radioaktives Jod verabreicht. Dieses Jod wird hauptsächlich von den überaktiven Zellen in der Schilddrüse aufgenommen, was zu ihrer Zerstörung führt.

 

In jedem Fall ist es wichtig, regelmäßige Untersuchungen von Ihrem Arzt durchführen zu lassen, um den Verlauf der Behandlung im Auge zu behalten und wenn nötig rechtzeitig auf Veränderungen zu reagieren.

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Kontakt

Ich bin für Ihre Fragen und Anliegen gerne da. Meine Kontaktdaten finden Sie im unteren Bereich der Seite.

Ihr Dr. Rafiei